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Start als freiberuflicher Dolmetscher und Übersetzer ....

„Zwischen Sprachen und Kulturen“, vollständiger Artikel bei Welt Online

„Dolmetscher und Übersetzer brauchen nicht nur eine schnelle Auffassungsgabe und Reaktionsfähigkeit, sondern auch große kulturelle Kompetenz.

Tarifautonomie, Hartz IV, 400-Euro-Job. Jeder Deutsche weiß, was damit gemeint ist. Er kennt mehr oder weniger die komplexen Sachverhalte, für die diese Worte stehen. Sollen die Begriffe aber in eine andere Sprache und damit in eine andere Kultur übertragen werden, müssen Übersetzer und Dolmetscher auch die Hintergründe vermitteln. In einer schriftlichen Übersetzung ist dafür ausreichend Zeit und Raum.

Kommen solche Worte allerdings in Reden vor, die simultan übertragen werden, haben Dolmetscher nur wenige Sekunden, um wenigstens den Kern des Sachverhaltes so auszudrücken, dass Zuhörer aus anderen Ländern inhaltlich folgen können. Das erfordert neben einer schnellen Auffassungsgabe und Reaktionsfähigkeit auch eine hohe kulturelle Kompetenz. "Man muss wissen, welche zusätzliche Information der andere braucht bzw. was unter den Begriffen üblicherweise in den Ländern verstanden wird", sagt Barbara Hahn, Dolmetscherin und Übersetzerin für Russisch und Französisch. Deshalb ist Landeskunde ein wichtiger Bestandteil der Studiengänge zum Dolmetscher und Übersetzer (...). Angehende Dolmetscher werden außerdem in Gedächtnisfähigkeit und vorausgreifender Redeanalyse trainiert. Darüber hinaus müssen die Studenten Grundkenntnisse in Fächern wie Technik, Wirtschaft oder Recht erwerben. Denn das sind – nach einer Studie der Uni Saarland aus dem Jahr 2004 – die Bereiche, aus denen die meisten Stellenangebote kommen. "Man kann nur dolmetschen, was man selbst verstanden hat", sagt Angelika Eberhardt, Sprecherin des Verbandes der Konferenzdolmetscher. "Das kann die Funktionsweise einer Maschine sein, ein betriebswirtschaftliches Gutachten oder eine Abhandlung über internationales Recht", fügt sie hinzu. (...)

Ein Hochschulabschluss biete die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt, gleichwohl sind die Berufsbezeichnungen Dolmetscher und Übersetzer nicht geschützt. (...) Nach dem Studium entscheiden sich die meisten für eine freiberufliche Tätigkeit (...). Allerdings werde man im Studium nicht immer ausreichend auf die "praktische Lebensverwaltung" einer Selbständigkeit vorbereitet. Viele müssten erst lernen, wie Rechnungen und Angebote geschrieben werden und was zur Buchhaltung und zur Kundenbetreuung gehört. Auch das Selbstmarketing gelinge nicht immer auf Anhieb, und ein Kundenstamm müsse erst aufgebaut werden, sagt die Berlinerin Barbara Hahn. Einige würden sich deshalb einem Dolmetscher-Sekretariat anschließen, in dem Aufträge angenommen und weitergegeben werden, wofür jeder monatlich einen festen Betrag zahlen muss. Andere arbeiteten mit Agenturen zusammen, die ihnen bis zu 50 Prozent Provision abziehen. Sie selber hat vor rund zehn Jahren zusammen mit ihrer Kollegin Karin Fleischhacker ein Netzwerk gegründet. "Unsere 16 Mitglieder arbeiten alle auf eigene Rechnung, aber wir treten gemeinsam am Markt auf und können so unseren Kunden viele unterschiedliche Sprachkombinationen anbieten", sagt Hahn. Außerdem wirke sich diese "verbundene Kollegenschaft" vorteilhaft auf die Qualität der Leistung aus, denn beim Simultan-Dolmetschen säße man in aller Regel mindestens zu zweit in den Kabinen und müsse sich gegenseitig zuarbeiten. Das laufe einfach besser, wenn man sich kenne und aufeinander verlassen könne. (...)

Die Beschäftigungslage sei insgesamt recht gut, sagt Angelika Eberhardt und fügt hinzu, dass es natürlich auch von den Sprachen und den Fachgebieten abhänge, die man beherrsche. Durch die Globalisierung, glaubt sie, werde der Bedarf noch zunehmen, nicht zuletzt auch in Englisch, weil die Leute dann doch recht schnell erkennen würden, wo ihre eigenen Grenzen liegen.

Die wichtigsten Auftraggeber für Dolmetscher sind neben internationalen Behörden und Organisationen auch Weltkonzerne und kulturelle sowie wissenschaftliche Einrichtungen. Die Tageshonorare für Dolmetscher sind u.a. abhängig von der Art der Veranstaltung und dem Auftraggeber, der Dolmetschtechnik und den Verwertungsrechten. Sie sind immer Verhandlungssache und liegen etwa zwischen 700 und 950 Euro pro Tag. In dem Honorar enthalten sei auch die Vorbereitung, die pro Einsatztag mindestens einen weiteren Tag in Anspruch nehme. Um eine genaue Übertragung in die Zielsprache gewährleisten zu können, müssten vor dem Einsatz Manuskripte, Tagungsmaterialen, Gebrauchsanweisungen etc. studiert und die Vokabeln gelernt werden. "Wenn der Auftraggeber diese Unterlagen nicht hat oder aus Geheimhaltungsgründen nicht herausgeben möchte, müssen wir ähnliche Texte suchen und uns im Internet informieren", sagt Hahn, die auch nach fast 40 Jahren Berufserfahrung nie unvorbereitet zu einem Einsatz geht. Sie fügt hinzu, dass Vertraulichkeit selbstverständlich zu den berufsethischen Grundsätzen von Dolmetschern und Übersetzern gehöre.

Die Honorare für schriftliche Übersetzungen von Reden, Ausschreibungen, Prospekten, Tagesunterlagen und Ähnlichem werden entweder pauschal, nach Seite oder Zeile abgerechnet und sind nach oben und unten offen. "Die Übersetzung von Literatur ist allerdings eher eine brotlose Kunst. Das kann man fast nur aus Leidenschaft machen", so Eberhardt. Während das Übersetzen die Fähigkeit erfordert, über eine längere Zeit eigenständig und alleine am Schreibtisch zu arbeiten, müssen Dolmetscher zeitlich und räumlich sehr flexibel sein. "Wir reisen viel innerhalb Deutschlands und auch ins Ausland. Konferenzen finden oft am Wochenende statt, zu Kulturveranstaltungen werden wir eher abends gerufen und Verhandlungen dauern auch schon mal länger als geplant. Darauf muss man sich einstellen können", sagt Barbara Hahn (...). Da Dolmetscher immer wieder mit unterschiedlichen Menschen zu tun hätten, sollten sie außerdem kommunikativ und selbstbewusst sein und die Höflichkeitsregeln der verschiedenen Kulturen beherrschen. Wichtig sei auch die Bereitschaft, sich ständig auf dem Laufenden zu halten und offen für alles Neue zu sein. (...) "Dolmetschen erfordert einen hohen Einsatz und viel Sprachtalent", betont Eberhardt. "Deshalb empfehle ich den Beruf nur Menschen, die sich dazu berufen fühlen, zwischen zwei Sprachen und Kulturen zu vermitteln, und die große Liebe zu Sprachen haben" (...)

 

Und wer immer noch nicht genug zum Thema gefunden hat, findet bei der Bundesagentur für Arbeit weitere Informationen über die Berufe Dolmetscher und Übersetzer.

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